Auftreten in der Öffentlichkeit: Emotionen vor Publikum und Medien

Der Auftraggeber: Eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Der Auftrag: Ein Redemanuskript für eine offizielle Rede vor großem Publikum und Medien. Die Herausforderung: Die Rede enthält ein Thema, das den Redner emotional stark berührt – er will jedoch nicht zu sehr Gefühle zeigen oder zu sehr berührt wirken.

So unangenehm die Vorstellung meines Auftraggebers gewesen sein mochte, vor Publikum und Presse womöglich die Fassung zu verlieren, so gut sind auch die Möglichkeiten, sich auf solche Situationen vorzubereiten.

Und zwar auf zweierlei Weise: Die Rede vor dem großen Auftritt bereits mehrmals laut vor einer oder vor einzelnen Testpersonen zu halten, lässt den Redner schon im Vorfeld erahnen, wie stark ihn das Thema während der eigentlichen Rede berühren könnte. Ein großes Publikum ist hierfür nicht unbedingt notwendig. Seine Erfahrung im konkreten Fall: Beim Lernen des Redetexts und beim Alleineüben der freien Rede hatte er keinerlei Schwierigkeiten. Bei der Probe vor mir als Zuhörer kam er die ersten Male bei der für ihn emotionalen Stelle ins Stocken. Er war nicht in der Lage, die Rede mit gelassener Stimme fortzusetzen.

Nicht falsch verstehen: Emotionen in einer Rede zu zeigen, ist grundsätzlich gut. Manchmal, gerade wenn die Medien beteiligt sind, will der Redner dies jedoch nicht.

Bereits ab dem vierten lauten Üben begann der Redner, sich an die Situation zu gewöhnen, und bewältigte auch die besonders kritischen Teile der Rede.

Ein Redner sollte – meiner Erfahrung nach – nicht mit zu vielen Tipps überfrachtet werden. Gezielte einzelne Ratschläge hingegen, die exakt auf die Redesituation abgestimmt sind, sind für den Redner Gold wert. Darum – und weil mein Kunde bereits mit dem emotionalen Faktor sehr beschäftigt war – waren aus meiner Sicht primär zwei Dinge entscheidend.

Erstens: Da die Rede frei gehalten werden sollte, musste er sie gut beherrschen, also im Vorhinein lernen. Zweitens: Durch eine spezielle Atemübung, die er unmittelbar vor seinem Auftritt praktizieren sollte, blieb er in einer ruhigen Bauchatmung. Dadurch war er nicht merklich nervös und behielt während der gesamten Rede eine souveräne Stimme – ohne kalt zu wirken. Die Übung vor dem Auftritt hatte den Vorteil, dass er sich während seiner Rede nicht auch noch auf seinen Atem konzentrieren musste – das wäre eventuell zu viel gewesen und hätte ihn vermutlich aus dem Konzept gebracht.

Gerade bei einer schwierigen Redesituation ist es am besten, das zeigt die Praxis, sich auf Weniges zu konzentieren, und dies um so intensiver.

Rhetorikmagazin
© Christian Bargenda, rhetorikmagazin.de


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