Kleider machen Redner: Wie Ihr Äußeres auf das Publikum wirkt und was Sie beachten sollten

Ein Exklusiv-Interview mit der international bekannten Stil- und Etikette-Expertin Elisabeth Motsch. –

Frau Motsch, Sie beraten unter anderem Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik, die auch als Redner auftreten. Welche Fragen haben Ihre Kunden an Sie?

Es sind oft Menschen, für die es wichtig ist, wie ihre Persönlichkeit durch die Kleidung wirkt. Eines der Themen dabei ist die Authentizität – sie wollen nicht verkleidet wirken. Und es geht darum, welche Botschaft die Kleidung sendet. Denn wenn ein Redner auf die Bühne geht, sieht das Publikum zuerst nur seine Körpersprache und die Kleidung. Sofort werden dann Schubladen geöffnet, und die Kleidung entscheidet ganz wesentlich mit, in welcher Schublade der Redner landet. Wenn es die falsche ist, kann ein Redner das nur sehr schwer korrigieren.

Wenn jemand beispielsweise ein Sakko trägt, das nicht sitzt sondern „hängt“, oder wenn jemand schlampig gekleidet ist, nimmt das Publikum das sehr schnell wahr. Auch unpassende Farben können unerwünschte Signale senden. Es würde kaum jemand sagen „Ich mag den Redner nicht, weil er diese oder jene Farbe trägt.“ – aber es geschieht unbewusst, und ein Redner tut sich dann schwer.

Haben Sie ein Beispiel für unerwünschte Wirkungen durch falsche Farben?

Nehmen Sie die Farbe Gelb und die Landtagswahl 2013 in Salzburg. Auf den Wahlplakaten trug die Landeshauptfrau Gabi Burgstaller einen zitronengelben Blazer. Wenn jemand über ein Thema spricht, bei dem er Stabilität ausstrahlen will – bei der Wahl geht es auch um einen Finanzskandal –, ist Zitronengelb ein Tabu. Gelb strahlt nämlich Heiterkeit aus. Dazu macht die Dame einen sehr ernsten Mund, was ein großer Widerspruch zur heiteren Farbe ihrer Kleidung ist. Auf einem anderen Plakat trug Frau Burgstaller ein Trägerkleidchen. Dadurch wirkte sie sehr mädchenhaft und nicht wie eine Führungspersönlichkeit. Sie hat die Wahl verloren. Zu behaupten, das war wegen des Kleidungsstils, wäre zu einfach. Jedoch hat dieser in der Wahrnehmung, gemeinsam mit vielen anderen Punkten, sicher seinen Teil dazu beigetragen.

Sie hätte sich fragen sollen, was sie ausstrahlen will. Ist es wirklich Heiterkeit und Mädchenhaftigkeit, oder ist es Kompetenz und Führungsanspruch.

Wonach sollten Redner Ihren Kleidungsstil ausrichten, nach ihrem Thema?

Ja, aber nicht nur. Die Kleidung muss auch zur Persönlichkeit, zum Publikum und zum Ziel des Redners passen. Der Redner darf sich nicht verkleiden, er sollte sich auf das einstellen, was seine Zuhörer gewohnt sind und was sie erwarten, und er sollte sich überlegen, was er mit seiner Kleidung vermitteln will. Bei meinen Kunden steht am Anfang meistens die Frage nach ihren Werten und ihren Themen. In dem Zusammenhang geht es unter anderem um die Farbe, für die sie stehen. Ich kann z. B. jemandem, der sehr ruhig und bedacht ist, nicht die Farbe Knallrot empfehlen. Das würde die Zuhörer irritieren.

Sollten Redner eine bestimmte Farbe als Markenzeichen wählen und immer in derselben Farbe auftreten?

Ganz gleich, welche Farbe: Ich sehe das kritisch, denn der Redner legt sich dadurch sehr stark fest. Wenn er es trotzdem macht, sollte er sehr genau überlegen, ob die Farbe wirklich zu ihm passt.

Cleveres Markenzeichen oder keine Lust auf Äußerlichkeiten? Angela Merkel will sich nicht mit Ihrem Kleidungsstil beschäftigen und wechselt nur die Farben.

Wie beurteilen Sie die Kleidung von Angela Merkel?

Viele empfinden sie als zu konservativ. Ich denke, sie hat das Beste aus sich gemacht. Ihre Kleidung strahlt Klarheit aus, Frau Merkel wechselt immer nur das Farbthema. Im Grunde will sie sich nicht mit ihrem Äußeren und ihrer Kleidung beschäftigen. Ihre Themen sind ihr wichtiger.

Frauen haben viel mehr Möglichkeiten bei ihrer Kleidung. Haben sie dadurch auch mehr Möglichkeiten, etwas falsch zu machen?

Absolut. Bei Frauen geht es oft um „zu laut“ oder „zu bunt“. Bei Männern mit ihren Anzügen gibt es viel weniger Fettnäpfchen. Viele Frauen glauben auch, jede Mode tragen zu können. Aber Mode ist das eine, und das Geschäftsleben ist eine andere Sache.

Sie empfehlen daher eher einen klassischen Stil?

Ja, aber immer eingefärbt mit der eigenen Persönlichkeit. Jemandem, der sehr kreativ ist, würde ich kein klassisches Kostüm empfehlen, denn das würde irritieren. Die Kreativität sollte sichtbar sein, z. B. durch einen kreativen Schnitt oder eine kreative Farbe. Im Business sollte das aber nicht zu sehr dominieren.

Einerseits ist es wichtig, sich nicht zu verkleiden. Andererseits habe ich das Gefühl, Kleidung wird zu sehr dem Zufall überlassen, manchmal auch dem Partner, der nicht weiß, was im Geschäftsleben gefragt ist. Vorsichtig gesagt: Was dem Partner gefällt, muss nicht gut beziehungsweise passend sein.

Gibt es eine Farbe, mit der man nichts falsch machen kann?

Nein. Nehmen Sie beispielsweise Schwarz. Mit einem schwarzen Hosenanzug würde ich bei einer Geschäftspräsentation nichts falsch machen. Wenn ich aber in einer Kreativbranche bin und in Schwarz mit einer weißen Bluse auftrete, passt das nicht. Es ist sehr branchenabhängig, aber auch immer persönlichkeitsabhängig.

Welche Farben für Redner sind kritisch?

Bei Frauen vor einem männlichem Publikum ist es Violett. Viele Männer mögen das nicht, und als Frau würde ich damit sofort Minuspunkte sammeln. Rosarot kann wie eine Barbiepuppe wirken. Zitronengelb wirkt zwar heiter, wird aber auch mit Eifersucht und Falschheit in Verbindung gebracht.

Gibt es Kleidungsmaterialien, die für Redner ungeeignet sind?

Seidenblusen sind sehr weich, und es kann passieren, dass der Blusenkragen nicht korrekt sitzt. Das kann dazu führen, dass die Rednerin immer mit dem Bewusstsein spricht, dass ihr Kragen eventuell wegrutscht. Hier würde ich eher ein seidenes Top empfehlen.

Bei Blusen müssen Frauen generell aufpassen. Bei Männerhemden sind die Krägen unterklebt, dadurch sind sie immer glatt und ordentlich. Bei Damenblusen – gerade den sportlichen – ist das nicht so, dadurch wirken sie oft schlampig. Es ist erstaunlich, wieviele Frauen zu einem ordentlichen Hosenanzug eine unordentliche Bluse tragen.

Wichtig ist auch die Passform. Wenn die Kleidung eines Redners gut passt, passt auch das Thema. Das wird vom Publikum ganz unbewusst wahrgenommen.

Wenn Frauen so viele Möglichkeiten haben und Männer so wenige: Ist das bei männlichen Rednern nicht langweilig?

Viele Männer sind glücklich darüber, denn sie brauchen dadurch weniger Zeit bei der Kleidungswahl. Umgekehrt tun sich Männer schwer, die sich darstellen wollen. Hier bleibt nur ein tolles Hemd oder eine ausgefallene Krawatte. Meistens wirken bei Männern dunkle Anzüge besser. Helle Anzüge verleihen ihnen auf der Bühne oft zu wenig Gewicht.

Müssen Männer ihr Sakko auf der Bühne immer geschlossen haben?

Grundsätzlich ja. Wenn jemand sich viel bewegt, sollte er es aber öffnen, damit er Bewegungsfreiheit hat. Also: Bühne mit geschlossenem Sakko betreten und bei Bedarf öffnen.

Neben Farbe, Passform und Material: Was empfehlen Sie Rednern außerdem?

Hillary Clinton hat einmal gesagt: „Achten Sie auf Ihre Haare – andere tun es auch.“ Wobei sie das in letzter Zeit nicht mehr zu beherzigen scheint.

Ansonsten sollte bei Frauen der Rock nicht zu kurz sein, und sie sollten nicht ärmellos auf die Bühne gehen. Bei Männern sollte die Krawatte nicht zu kurz oder zu lang sein. Alles was zu bunt ist, ist auch nicht angebracht, denn es würde die Aufmerksamkeit zu sehr auf sich lenken. Generell sollte die Kleidung nicht vom Inhalt ablenken oder gar irritieren, sondern das Thema und die Persönlichkeit unterstreichen.

© Rhetorikmagazin, Christian Bargenda, © Foto: Elisabeth Motsch


Elisabeth Motsch ist Rednerin, Referentin und Trainerin für die Erfolgsfaktoren Kleidung und Umgangsformen. Sie hilft ihren Kunden, ihr Image-Konzept zu entwickeln, um als Person auch optisch zu überzeugen. In den unterschiedlichsten Branchen motiviert sie Führungspersönlichkeiten und Mitarbeiter, sich authentisch und kompetent zu kleiden und entsprechend aufzutreten. Elisabeth Motsch ist darüber hinaus erfolgreiche Fachbuchautorin, Ansprechpartnerin verschiedener Medien sowie Professional Member der German Speaker Association (GSA) und der International Federation of Professional Speakers (IFFPS)..


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