Applaus mit und ohne Bühne: Rhetoriktipps aus dem Theater für Beruf und Zuhause

Ein Beitrag von Gero Teufert. –

Die Vorstellung ist seit Wochen ausverkauft, die Zuschauer fiebern gespannt dem Beginn der Aufführung und dem Aufleuchten der Scheinwerfer entgegen. Der erste Schauspieler betritt die Bühne. Er hält einen Monolog. Mit lauter Stimme, Dynamik, Drama – fesselnd! Applaus. Die Kunst der guten Rede – im Theater kann man sie auch heute noch bestaunen. Aber wieso nutzen wir sie nicht viel mehr für wirkungsvolle Reden im Alltag? Es muss ja nicht gleich ein Hamlet-Monolog mit Totenschädel in der Hand auf dem Schreibtisch sein!

Was Sie sich allerdings von Bühnendarstellern abschauen können, ist die Freude am Sich-zeigen. Denn während Ihres Auftritts ist Ihnen die Aufmerksamkeit Ihrer Zuschauer sicher (zumindest für eine gewisse Zeit). Dabei ist egal, wo und in welchem Rahmen Sie auftreten.

In allen Fällen ist die Stimme unser wichtigstes Werkzeug. Mit ihr lassen sich Mitarbeiter im Meeting motivieren und Kunden beim Außentermin überzeugen. Und auch im Privaten kann die richtige Rhetorik Wunder wirken. Sei es bei der Festrede zur eigenen Hochzeit oder dem Vortrag auf der Mitgliederversammlung vom Fußballverein. Mit den folgenden Tipps machen Sie sich die jahrtausendealte Kunst der guten Rede zunutze.

1. Verständlichkeit

Bühnensprache schafft die wichtige Verbindung aus Lebendigkeit und Verständlichkeit. Denn schauspielerische Leistungen erschöpfen sich nicht in großartiger Performance, sondern müssen ebenso ganz pragmatischen Anforderungen genügen: Eine gewisse Lautstärke in der Darbietung ist notwendig, um jeden im Raum zu erreichen – im Herz und im Kopf. In Ihrem Alltag müssen Sie zwar keine zu Tränen rührenden Reden schwingen, jedoch spannende und unterhaltsame Vorträge auf die Beine stellen.

Vermitteln Sie wenige Informationen, aber diese konkret auf den Punkt und anschaulich. Illustrieren Sie sie durch lebens- und praxisnahe Beispiele, die das Publikum aus eigener Erfahrung kennt.

Außerdem sollten Sie immer wieder zwischen kurzen und langen Sätzen variieren. Mit Signalwörtern wie „Erstens …, zweitens …, drittens …“ können Sie Ihre Inhalte verständlicher gestalten und durch rhetorische Fragen strukturieren.

2. Dynamik

Monotone Texte lassen nicht bloß Langeweile aufkommen, sie drängen den Zuhörern auch noch das Gefühl auf, ihre Lebenszeit zu verschwenden. Dabei kann der eigentliche Inhalt sogar spannend sein! Doch es nutzt nichts: Trägheit in der Sprache kann auch das Thema ganz schnell alt aussehen lassen. Gefragt sind Dynamik und Abwechslung.

Gero Teufert: „Ist nicht gerade das Theater der Ort, an dem Worte und eine außergewöhnliche Sprache leben? Mit der Bühnensprache erwecken Schauspieler Texte zum Leben und erreichen Menschen auch bis in die hintersten Ränge. Doch richtiges Sprechen muss keine große Kunst sein.“

Für den Start reicht es schon aus, auf einige Dinge bei der Wortwahl zu achten: Reden Sie in Verben statt in Substantiven („Wir haben eine Einigung erzielt.“ – „Wir haben uns geeinigt.“). Drücken Sie sich aktiv aus, nicht passiv („Der Hinweis wurde vom Fahrer übersehen.“ – „Der Fahrer übersah den Hinweis.“).

Und das wohl Schwierigste: Vermeiden Sie Füllwörter und Worthülsen („also“, „eigentlich“, „im Endeffekt“, „einfach“, „ganz“, „halt“ etc.) und beginnen Sie niemals Ihren Vortrag mit diesen Wörtern! Stattdessen atmen Sie tief durch und überspringen im Kopf das „Also“, „Nun“ oder „Ja“.

3. Atmung

Es ist immer wieder beeindruckend, mit welch lauter und fester Stimme Schauspieler von der Bühne tönen. Sie ist keineswegs angeboren oder nur mit der guten Akustik des Saals zu erklären. Lautstärke entsteht mit der richtigen Atmung. Darsteller trainieren deshalb die sogenannte Flankenatmung, die den gesamten Körper als Resonanzraum nutzt. Das ist supereffektiv und auf Dauer auch gar nicht anstrengend.

„Tief einatmen“ lautet der gern zitierte Trick 17 gegen Nervosität. Dabei verstärkt sich so nur die Anspannung und für eine deutliche Stimme ist noch weniger Luft im Tank.

Versuchen Sie es stattdessen mit „tief ausatmen“! Automatisch atmet der Körper wieder langsam ein – Sie bleiben passiv. So können Sie nebenbei eine künstlerische Pause machen – dabei allerdings den Blickkontakt zum Publikum halten (Obama brachte es bereits auf elf Sekunden Pause).

4. Variation

Aktuelle Beispiele wie Donald Trump zeugen davon, dass die Stimme und wie etwas gesagt wird, starken Einfluss auf die Zuhörer haben können. Eine überzeugende Bühnenperformance lebt deshalb von Variation und guter Betonung. Auch Vorträge werden so als lebendiger wahrgenommen und Inhalte mehr mit dem Engagement des Redners in Verbindung gebracht.

Um Variation zu erzielen, reicht es bereits, beim Sprechen die Stimme anzuheben und abzusenken. Oft gehörter Fehler: Girlandensätze. Hoch begonnen und in der Mitte abgesenkt, enden diese Sätze wieder mit hoher Stimme und verleiten zu weiteren Nebensätzen. Die Verständlichkeit geht verloren und mit ihr die Zuhörer.

Besser wäre es, den Spieß umzudrehen und im Bogensatz zu sprechen: Zunächst heben Sie Ihre Stimme und senken sie zum Ende des Satzes wieder.

Vom Theater auf die Bühnen des Alltags

„Wo Worte selten sind, haben sie Gewicht.“ Das Zitat aus Shakespeares Theaterstück König Richard III. zeugt von einer gewissen Ironie. Ist nicht gerade das Theater der Ort, an dem Worte und eine außergewöhnliche Sprache leben? Mit der Bühnensprache erwecken Schauspieler Texte zum Leben und erreichen Menschen auch bis in die hintersten Ränge. Doch richtiges Sprechen muss keine große Kunst sein. Mit meinen Tipps verwandeln Sie auch alltägliche Vortragssituationen in spannende Reden und überzeugen im Handumdrehen Kollegen, Mitarbeiter und Freunde.

Autor: Gero Teufert


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Gero Teufert ist Autor, Speaker und Managementtrainer für Charisma, Schlagfertigkeit und Rhetorik. Als Account Manager und Management Consultant war er für große internationale Konzerne tätig. Heute gibt er sein Wissen auch im Rahmen seiner Lehraufträge an mehreren deutschen Hochschulen sowie in seinem Unternehmenstheater „Impro For Business“ weiter.

Gero Teufert beweist seit vielen Jahren, dass Charisma, Ausstrahlung und gekonnte Rhetorik keine gottgegebenen Eigenschaften sind, sondern sich bei jedem Menschen beeinflussen und verbessern lassen. Seine Leidenschaft ist es, Menschen zum Strahlen zu bringen und sie zu befähigen, echte Wirkung zu erzielen.