Helmut Markwort zur aktuellen politischen Rhetorik: „Gehaltvolle, überzeugende Reden sind ein Mittel gegen die Selbstzerstörung.“

Die Gefahren der derzeitigen Rede- und Debattenkultur – Helmut Markwort, Herausgeber des Nachrichtenmagazins Focus, hält am 10. September 2016 eine Rede, mit der er Politiker warnt und vielen Zuhörern aus dem Herzen spricht.

Der Anlass: Vor rund 280 deutschen und internationalen professionellen Rednern ehrt die German Speakers Association (GSA) Markwort mit dem Deutschen Rednerpreis 2016.

Lesen Sie exklusiv im Rhetorikmagazin die vollständige, auch unter rhetorischen Gesichtspunkten beachtenswerte Rede von Helmut Markwort über gute, gefährliche und vorbildliche Reden.

„Sehr geehrter Herr Professor Seiwert, lieber Paul Breitner,
meine sehr verehrte Damen, sehr verehrte Herren.

Was für eine Freude! – Was für eine Last!

Es ist eine große Ehre, mit dem Deutschen Rednerpreis ausgezeichnet zu werden, und es ist gleichzeitig eine gewaltige Herausforderung an den Dankesredner, erst recht vor so vielen professionellen Speaker. Nach dieser Ehrung und erst recht nach der hinreißenden Laudatio von Paul Breitner müssen Ihre Erwartungen, geschätzte Zuhörer, noch einmal hochgeschossen sein. Wahrscheinlich sind Sie gefasst auf ein verbales Feuerwerk mit vielen rhetorischen Raketen, die ich steigen lassen sollte. Diesem Anspruch werde ich nicht gerecht. Ich bin hauptberuflich ein Schreiber, der ab und zu als Gelegenheitsredner auftritt.

Helmut Markwort: „Wenn unsere Parteien nicht aufhören, sich gegenseitig abzuqualifizieren, verlieren sie die Achtung des Volkes.“
Helmut Markwort: „Wenn unsere Parteien nicht aufhören, sich gegenseitig abzuqualifizieren, verlieren sie die Achtung des Volkes.“

Dann vertiefe ich mich in ein Thema oder in einen Menschen, recherchiere gründlich und erzähle dann dem Publikum, was mir aufgefallen ist.

Was ist heute mein Thema? Reden natürlich. Gute Reden, gefährliche Reden, vorbildliche Reden. Für mich war die Recherche ein großer Gewinn. Vor allem in der Historie. Einen grundsätzlichen Ratschlag finden wir bei Martin Luther, dessen großes Gedenkjahr wir nächstes Jahr feiern. Er empfiehlt den Rednern: „Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf.“

So deftig hätte sich der große Cicero nie ausgedrückt. Er war ein eleganter, geistreicher Formulierer, der bis zuletzt an seinen Reden gefeilt hat.

Nachdem er sie als Verteidiger vor Gericht, auf dem Forum Romanum oder im römischen Senat gehalten hatte, pflegte er sie für die schriftliche Veröffentlichung noch einmal zu verfeinern. Deswegen können wir sie heute nachlesen. Es sind stilistische Kunstwerke voller Intelligenz und Raffinesse, zielgenau abgestimmt auf sein jeweiliges Publikum.

Viele ehrgeizige Redner haben Cicero studiert und von ihm gelernt. Wahrscheinlich auch William Shakespeare. Die Rede, die er in seinem Drama „Julius Caesar“ für Mark Anton geschrieben hat, erinnert in ihrer Konstruktion an das Vorbild Cicero. Die immer wiederkehrende gespielte Beteuerung „…doch Brutus ist ein ehrenwerter Mann“ variiert ein Stilelement, das der römische Meisterredner in seinen Anklagen und Verteidigungen oft verwendet hat.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle einen Hinweis auf ein Buch, in dem auch Cicero zu Wort kommt. Nicht nur wegen des Schicksals des großen Redners wird es viele interessieren. Es heißt „Augustus“, ist eine originell komponierte Biografie und wird Ende dieses Monats in deutscher Sprache erscheinen. Ich habe sie schon lesen können und wage die Prophezeiung, dass „Augustus“ schnell ein Bestseller wird.

Helmut Markwort: „Das ist mein großer Vorwurf an viele Parteidebattierer, dass sie durch ihre gegenseitigen Beschimpfungen ihr eigenes Gewerbe der Verachtung preisgeben. … Ich meine die permanente gegenseitige Herabwürdigung der Parteien.“
Helmut Markwort: „Das ist mein großer Vorwurf an viele Parteidebattierer, dass sie durch ihre gegenseitigen Beschimpfungen ihr eigenes Gewerbe der Verachtung preisgeben. … Ich meine die permanente gegenseitige Herabwürdigung der Parteien.“

Zurück zu Cicero. Auch Winston Churchill hat seine Werke studiert. Seine Reden sind legendär, weil er sorgfältig daran getüftelt hat. Seine politische Strategie war kühn und weitreichend, aber er hat sie auch so genial in Worte gefasst, dass die Briten ihm in schwierigen Situationen folgten. Seine berühmte Ankündigung, er habe nichts zu bieten außer Blut, Mühsal, Schweiß und Tränen, gehört zu den kühnsten Metaphern politischer Rhetorik.

Winston Churchill hat sich seine Redegewalt mühsam erarbeitet. Den Engländern erschien er wie ein Spontangenie, dem die Wortspiele und Sprachbilder während des Redens zuzufliegen schienen.

Das Gegenteil ist wahr. Er litt darunter, dass er lispelte und manchmal stotterte. Um diese Schwächen auszugleichen, umging er Wortbildungen, die für sein Handicap gefährlich waren und übte seine Reden stundenlang vor dem Spiegel. Dort verbesserte er seine Aussprache und seine Gestik. Seine Landsleute hatten keine Ahnung, dass ihr Anführer und Meisterredner sich regelmäßig von einem Sprachtherapeuten helfen ließ.

Wie wir alle wissen, war der Erfolg sensationell. Was nicht alle wissen: der Politiker Churchill erhielt den Nobelpreis für Literatur.

Seine sechsbändige Geschichte des Zweiten Weltkriegs ist egozentrisch, spannend und authentisch. Der mitreißende Redner war auch ein guter Schreiber. Beim Verfassen seiner Werke musste er auf sein Lispeln keine Rücksicht nehmen. Trotz seiner Schwächen und Skurrilitäten war Churchill ein Genie, ein Sprachgenie und ein Denkgenie.

Manches Mal, wenn ich in Gesellschaft gut über ihn spreche, erfahre ich heftigen Protest. Wie könne ich einen Menschen rühmen, der deutsche Städte zerstört und ihre Bevölkerung vernichtet habe. Mit diesem Kriegskapitel haben sie recht. Er war ein unerbittlicher Gegner in jenem „totalen Krieg“, den Joseph Goebbels in einer folgenschweren verführerischen Rede ausgerufen hat.

Aber Winston Churchill hat nach dem Krieg weitergeredet. Leider sind diese Reden weniger bekannt. Er hat den Begriff vom „Eisernen Vorhang“ geprägt und hat unüberhörbar darunter gelitten, dass am Ende des Krieges Polen, Ungarn und viele andere Staaten Mittel- und Osteuropas unter die Herrschaft seines kommunistischen Waffenbruders Stalin gefallen waren.

In Deutschland war er noch immer so verhasst, dass seine Reden und Zitate kaum publiziert wurden. So haben viele nicht erfahren, wie Churchill sich 1946 in den USA darüber empört hat, dass viele Millionen Deutsche unter schlimmen Umständen aus ihrer Heimat vertrieben worden waren.

Seine historisch bedeutsame Züricher Rede ist erst jetzt wieder ins allgemeine Bewusstsein gerückt, als die Engländer für den Brexit gestimmt haben. Der Weltkriegsgewinner und Hitlerbesieger hatte als erster wichtiger Politiker die Vereinigten Staaten von Europa gefordert und zum „segensreichen Akt des Vergessens“ aufgerufen. Sein konkreter Vorschlag im September 1946, also vor genau 70 Jahren: Deutschland und Frankreich sollten gemeinsam die Führung dieses friedlichen demokratischen Europa übernehmen.

Was für eine großartige und frühzeitige Vision. Im Ranking der wichtigsten politischen Reden unserer Zeit sollten nicht nur Churchills Kampf- und Durchhaltereden aufgelistet werden, sondern ganz oben auch seine Versöhnungs- und Europarede von Zürich.

Dass sie so wenig bekannt ist, mag auch daran liegen, dass das Fernsehen 1946 noch kaum eine Bedeutung hatte. Vor allem wusste damals noch niemand, was eine Talkshow ist.

Ich bezweifle, dass Winston Churchill sich in eine Talkshow gesetzt hätte. Seine Leidenschaft für perfektionistische Wortwahl und die Hemmung wegen seines Lispeln und Stotterns hätten ihn wahrscheinlich davon abgehalten, sich dem Risiko einer Blamage auszusetzen. Aus einem ähnlichen Grunde hätten wir wohl auch auf einen großen deutschen Redner und Schreiber in Streitrunden verzichten müssen.

Helmut Markwort: „Wenn Vertreter aller Parteien so mies über Parteien reden, wird nicht eine Partei herabgewürdigt, sondern alle. Immer mehr Wählern und erst recht Nichtwählern wird der Eindruck vermittelt, dass Parteien mies sind, damit auch der Parlamentarismus und die Demokratie.“
Helmut Markwort: „Wenn Vertreter aller Parteien so mies über Parteien reden, wird nicht eine Partei herabgewürdigt, sondern alle. Immer mehr Wählern und erst recht Nichtwählern wird der Eindruck vermittelt, dass Parteien mies sind, damit auch der Parlamentarismus und die Demokratie.“

Der Reichskanzler Otto von Bismarck, dessen Denkmäler noch in fast jeder deutschen Stadt stehen, hielt kämpferische Reden und konnte giftige Briefe schreiben, war aber nach den Beschreibungen seiner Zeitgenossen offenbar nicht im heutigen Sinne telegen. Er war von massiger Gestalt, fiel aber durch eine hohe Stimme auf und stieß – wie auch Churchill – mit der Zunge an. Menschen mit solchen Merkmalen werden heute schon von den Kreisverbänden der Parteien aussortiert, weil sie angeblich den Anforderungen unserer Mediengesellschaft nicht genügen.

Ein gefälliges Äußeres, eine polierte Erscheinung scheint oft wichtiger als analytischer Verstand und Rednergabe. Wir kennen Beispiele dafür, wohin diese Auswahlkriterien führen.

Die Amerikaner haben den Westerndarsteller Ronald Reagan zu ihrem Präsidenten gewählt und den Actionstar Arnold Schwarzenegger zum Gouverneur ihres größten Staates Kalifornien. Deren Redekunst spielte für die Karriere übrigens keine entscheidende Rolle. Sie müssen keine Reden schreiben wie Churchill.

Sie müssen sie nur so glaubwürdig und überzeugend vortragen als hätten sie sie geschrieben und verstanden. Gegenüber dem professionellen Redegeschäft der Amerikaner wirken deutsche Politiker wie Bürgermeister vom Dorf.

Dutzende von Redenschreibern brüten die griffigsten Formulierungen aus. Was die Selbstschreiber Cicero und Churchill sich mühsam erarbeitet haben, wird amerikanischen Politikern von ihren Ghostwritern in den Mund gelegt.

Das galt für das einfache Gemüt Ronald Reagan genau so wie für den belesenen John F. Kennedy. Beide wurden in Berlin weltberühmt durch Sprüche, die eine Schar von Redenschreibern erfunden und intern getestet hatten.

Kennedys „Ich bin ein Berliner“ war genau so eine ausgeklügelte Kopfgeburt wie 24 Jahre später Reagans Appell: „Mister Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!“

Aber nicht nur die Texte müssen sitzen. Auch die Umgebung der Redner muss perfekt organisiert sein. Kein amerikanischer Politiker von Rang redet vor irgendeiner Wand in einem Tagungszentrum.

Bei der Sicherheitskonferenz in München stand ich daneben, als amerikanische Offiziere ein Originalpräsidentenpult ins Hotel trugen, damit ihr Vize Biden vor der identischen Kulisse reden konnte wie zuhause. Das Pult mit der stars and stripes-Flagge war im Flugzeug aus Washington mitgebracht worden.

Und selbstverständlich hatten die security men vorher einen Teleprompter im Sitzungssaal platziert, damit Joe Biden seine Rede silbengenau ablesen konnte.

Auch Barack Obama benutzt solche Geräte. Er ist gewiss ein guter Redner und Vortragskünstler, aber was die Technik angeht, überlässt er nichts dem Zufall. Er ist der Weltmeister im Vortäuschen einer freien Rede mit Hinwendung ans Publikum.

Ich kann Ihnen als Augenzeuge berichten. Als Obama in Berlin unter freiem Himmel sprach, suchte ich den Teleprompter. Ich entdeckte ihn schnell, genau genommen sogar vier.

Der amerikanische Präsident hatte die Textkurbler in vier Himmelsrichtungen aufstellen lassen, damit er scheinbar überallhin seine Zuhörer direkt ansprechen konnte.

Dabei spielte er meisterlich mit kleinen Pausen und scheinbar improvisierten Betonungen. Die Berliner waren begeistert. Sie hätten ihn sofort gewählt. Ich beobachtete einige deutsche Politiker, die sich wegen der glühenden Hitze unter den Schatten der Lesegeräte geflüchtet hatten. Das würden wir uns nicht trauen, war ihr Kommentar.

Sie trauen sich aber anderes, was ich für viel problematischer halte, ja sogar für gefährlich, für gefährlich für unsere Demokratie. Ich will nicht beklagen, dass ich bei den Debatten im Bundestag keine Vorbilder für eindrucksvolle öffentliche Reden finde.

Ich denke wehmütig zurück an Carlo Schmid, an Thomas Dehler, an Herbert Wehner und Franz Josef Strauß. Das waren leidenschaftliche wortgewaltige Debattierer, die für ihre Überzeugung gekämpft haben. Damals waren die politischen Auseinandersetzungen im Bundestag ein Anziehungspunkt für die interessierten Bürger.

Helmut Schmidt zähle ich auch noch zu dieser Redner-Elite, weil er – ganz bewusst auf Effekt und Wirkung zielend – einen ganz eigenen Rhetorikstil kreiert hat.

Er arbeitete systematisch an besonderen Show-Pausen und Betonungen, die seinen Sätzen Bedeutung verleihen sollten.

Ein mit ihm eng befreundeter sozialdemokratischer Abgeordneter hat mir von einer Reise mit Helmut Schmidt im Schlafwagen erzählt. Er schlief unten, Schmidt arbeitete über ihm an einer Rede. Plötzlich sprang er runter, weckte den Genossen und trug ihm eine Passage vor, die er gerade gestaltet hatte.

“Wie findst Du das?“, fragte Schmidt. Der Freund war natürlich beeindruckt, und sicher später auch das Publikum. Schmidt hatte sich durch seine Pausenkunst die Aura des Welterklärers erschaffen und konnte auch in seinen Gesprächen mit Sandra Maischberger Selbstverständlichkeiten bedeutungsvoll vortragen.

Prof. Dr. Lothar Seiwert, Ehrenpräsident der German Speakers Association, Helmut Markwort, Herausgeber des Nachrichtenmagazins FOCUS, Martin Laschkolnig, Präsident der German Speakers Association 2015-2017
Prof. Dr. Lothar Seiwert, Ehrenpräsident der German Speakers Association, Helmut Markwort, Herausgeber des Nachrichtenmagazins FOCUS, Martin Laschkolnig, Präsident der German Speakers Association 2015-2017

Wenn er sagte: “Deutschland liegt mitten in Europa und muss sich mit neun Nachbarländern arrangieren“, wuchs unter den Zuschauern die Zahl derjenigen, die ihn für den größten europäischen Staatsmann hielten.

Obwohl man über diese Einordnung streiten kann, muss man ihm eines zugute halten: er hat durch sein Auftreten Politik immer aufgewertet. Er hat sie nie abgewertet und das politische Geschäft nie in den Dreck gezogen.

Das ist mein großer Vorwurf an viele Parteidebattierer, dass sie durch ihre gegenseitigen Beschimpfungen ihr eigenes Gewerbe der Verachtung preisgeben.

Ich meine damit nicht den Austausch von Argumenten pro und contra Steuersenkungen oder den Streit um legale oder illegale Einwanderer. Streit und Kompromiss gehören zu den Wesenselementen jeder Demokratie.

Ich meine die permanente gegenseitige Herabwürdigung der Parteien.

Hunderte von Beispielen könnte ich Ihnen nennen und Sie können Sie auch selber hören – im Bundestag, in Talkshows oder im Wahlkampf – wenn ein Politiker dem Gegner aus der anderen Partei vorwirft, er handle aus niedrigen parteipolitischen Motiven.

Immer wieder wird die Metapher vom „Parteisüppchen“ gebraucht, „Sie wollen doch nur Ihr Parteisüppchen kochen“ oder „Was Sie da sagen, ist nur ein billiges parteitaktisches Manöver“.

Leider reden alle so. CDU-Leute sagen es zu SPD-Leuten und umgekehrt; Grüne, Linke, CSU und FDP alle ziehen ihre eigene Existenzgrundlage in den Dreck. Die Liste der Schimpfworte und Zwischenrufe im Bundestag ist eine ungeheuerliche Fülle von Beleidigungen. In den Wahlkämpfen wird die Herabsetzung der Demokratie noch gesteigert.

Wenn Vertreter aller Parteien so mies über Parteien reden, wird nicht eine Partei herabgewürdigt, sondern alle. Immer mehr Wählern und erst recht Nichtwählern wird der Eindruck vermittelt, dass Parteien mies sind, damit auch der Parlamentarismus und die Demokratie.

Ich kenne keine andere Branche, deren Mitglieder ihre Existenzgrundlage als Schimpfwort benutzen.

Wer den Niedergang der Weimarer Republik studiert, findet dieses Symptom als Ursache der Zersetzung. Weil immer mehr Deutsche das Parlament für eine „Schwatzbude“ hielten, wurde aus der Demokratie eine Diktatur.

Wenn unsere Parteien nicht aufhören, sich gegenseitig abzuqualifizieren, verlieren sie die Achtung des Volkes.

Gehaltvolle, überzeugende Reden sind ein Mittel gegen die Selbstzerstörung.

Zum Schluss will ich noch aus einer positiven Rede zitieren, deren Kernsätze seit Jahren in meinem Büro an der Wand hängen. Als Autor steht ein Mann drunter, der sie nicht gehalten hat. Da steht Abraham Lincoln.

Viele Amerikaner kennen die Rede und glauben, dass sie von Lincoln stammt. Der Präsident Ronald Reagan hat sie auch zitiert mit der Berufung auf Lincoln. Inzwischen haben Historiker herausgefunden, dass sie von einem Prediger namens William Boetcker stammt, der aus Deutschland eingewandert war. Er hat sie im Sinne Lincolns verfasst. Vor hundert Jahren gab es wohl noch keine Ghostwriter.

In der amerikanischen Politik ist die Rede bekannt als „the ten cannots“. Alle zehn Thesen beginnen mit dem Appell: „You cannot“. Ich trage Ihnen die Übersetzung von 7 vor.

„Ihr werdet die Schwachen nicht stärken, indem ihr die Starken schwächt.
Ihr werdet denen, die ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, nicht helfen, indem ihr die ruiniert, die sie bezahlen.
Ihr werdet keine Brüderlichkeit schaffen, indem ihr den Klassenhaß schürt.
Ihr werdet den Armen nicht helfen, indem ihr die Reichen ausmerzt.
Ihr werdet mit Sicherheit in Schwierigkeiten kommen, wenn ihr mehr ausgebt, als ihr verdient.
Ihr werdet kein Interesse an den öffentlichen Angelegenheiten und keinen Enthusiasmus wecken, wenn ihr dem einzelnen seine Initiative und seine Freiheit nehmt.
Ihr könnt den Menschen nie auf Dauer helfen, wenn ihr für sie tut, was sie selbst für sich tun sollten und könnten.“

Ende des Zitats.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.“

Autor: Helmut Markwort
© Titelfoto: Jochen Wieland
© alle weiteren Fotos: Rhetorikmagazin


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