Das Unwort des Jahres 2011: Platz 1, Dönermorde. Platz 2, Gutmensch. Platz 3, Marktkonforme Demokratie.

Das Medieninteresse war groß: Am 17. Januar 2012 wurde im Rahmen einer Pressekonferenz des sprachwissenschaftlichen Instituts der TU Darmstadt das „Unwort des Jahres“ bekanntgegeben. Auf Platz 1: Dönermorde. Die Plätze 2 und 3 belegten Gutmensch und Marktkonforme Demokratie.

In der Begründung der Jury heißt es, „Dönermorde“ diskriminiere Mordopfer, indem dieser Begriff sie auf ein Imbissgericht reduziere. Es sei zudem unterstellt worden, dass die Motive für die Mordserie im Schutzgeld- und Drogenmilieu angesiedelt seien. Mit „Dönermorde“ sei die politische Dimension der Morde verkannt oder ignoriert und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit auf gefährliche Weise beeinflusst worden.

Auf Platz 2 des Unworts des Jahres wurde „Gutmensch“ gewählt, denn mit dieser Bezeichnung würden Andersdenkende pauschal und ohne Beachtung ihrer Argumente diffamiert. Der abwertende Gebrauch von „Gutmensch“ habe 2011 stark zugenommen und widerspräche den Grundsätzen der Demokratie.

Die „Marktkonforme Demokratie“ auf Platz 3 relativiere die Demokratie auf unzulässige Weise und gehe auf eine Aussage von Angela Merkel zurück. Der Begriff stehe dafür, dass sich die politische Kultur in eine bedenkliche Richtung entwickle.

Gute Chancen zum Unwort des Jahres gewählt zu werden haben Begriffe, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde und der Demokratie verstoßen, die einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind.

Die Wahl des Unworts wurde 1991 von der Gesellschaft für deutsche Sprache ins Leben gerufen und wird inzwischen von der selbständigen „Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres“ durchgeführt. Sie will die Gesellschaft sensibler für den Gebrauch der Sprache in der Öffentlichkeit machen. Das Unwort soll „den Blick auf sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen“ lenken und das Sprachbewusstsein fördern. An der Wahl des Unworts des Jahres kann sich jeder Bürger mit seinen Empfehlungen beteiligen.

Bis zum Ablauf der Frist am 31.12.2011 wurden insgesamt 2.420 Vorschläge mit 923 unterschiedlichen Wörtern eingesandt, darunter 269 mal „Dönermorde“, wobei dieser Begriff von 25 Bundestagsabgeordneten genannt wurde.

In der Jury für das Unwort 2011: vier Sprachwissenschaftler der TU Darmstadt und der Universitäten Zürich, Greifswald und Trier, der Journalist Stephan Hebel (Frankfurter Rundschau) sowie als jährlich wechselndes Mitglied Dr. Heiner Geißler, Bundesminister a. D..

Rhetorikmagazin
© Christian Bargenda, rhetorikmagazin.de


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