Frei reden oder ablesen: Wann welche Redeform angebracht ist

Beim Redenhalten gibt es im Wesentlichen vier Möglichkeiten: Erstens die vorbereitete freie Rede – die Disziplin, die professionelle Redner perfektionieren, um ihr Publikum zu begeistern und für sich zu gewinnen. Zweitens die Stegreifrede – eine spontane Rede ohne Vorbereitung, oft gehalten bei Feiern oder Ehrungen. Drittens die Rede, die vollständig vom Manuskript abgelesen wird – quasi das Gegenteil der freien Rede. Und viertens die Rede mit Hilfe eines vorbereiteten, systematischen Stichwortzettels – eine Mischform aus freier und abgelesener Rede.

Welche Methode ist wann die beste Wahl?

Die Rede vom Manuskript ablesen: Wenn Sie Staatsvertreter sind und kein Wort Ihrer offiziellen Rede falsch interpretiert werden sollte, dürfen Sie Ihre Rede vorlesen.

In diesem Sinne halten Sie keine Rede, sondern eine Vorlesung. Jeder wird es verstehen, dass Sie eine Regierungserklärung vom Blatt ablesen. Dasselbe gilt bei Protokollen oder z. B. Geschäftsberichten. Bei allem anderen sollten Sie tunlichst auf das Ablesen verzichten. Denn Sie haben bei der Vorlesung nur begrenzten Augenkontakt zu Ihrem Publikum und laufen Gefahr, dass Sie mechanisch und wenig lebendig klingen. Auch weitere rhetorische Möglichkeiten fehlen Ihnen bei der Vorlesung. Entsprechend gering ist die Publikumswirkung. Um letztere dennoch zu verbessern, gibt es entsprechende Vortragstechniken.

Die Rede mit Stichwortzettel: Eine vorbereitete Rede mit kurzen Notizen erfordert eine sorgfältige Vorbereitung. Bei Ihrem Auftritt können Sie nicht die gesamte rhetorische Klaviatur spielen, haben aber deutlich mehr Möglichkeiten als bei der Vorlesung.

Voraussetzung dafür ist ein intelligent aufbereiteter Stichwortzettel. Sie können diesen für Ihre „halbfreie“ Rede nach unterschiedlichen Methoden erstellen und z. B. mit Hilfe von Haupt- und Nebenstichwörtern gliedern. Welche Methode für Sie am sinnvollsten ist, hängt von Ihrem Redethema ab.

Die Stegreifrede: Mit einer vollkommen freien Rede können Sie sehr souverän wirken.

Sie stehen ohne Hilfsmittel auf der Bühne und beeindrucken bereits dadurch Ihr Publikum. Dazu kommt, dass Sie bei einer Stegreifrede tatsächlich spontan sprechen. Wie Sie sich hierfür am besten vorbereiten, können Sie im Artikel „Reden halten aus dem Stegreif: So trainieren professionelle Redner“ lesen.

Die vorbereitete freie Rede: Hier haben Sie die meisten Möglichkeiten, Ihre Zuhörer in den Bann zu ziehen, zu motivieren und zu überzeugen. Mit dieser Rede erzielen Sie in der Regel die stärkste Wirkung bei Ihrem Publikum.

Alle wichtigen Formulierungen haben Sie vorbereitet und können sie jederzeit abrufen. Sie wissen, wie Sie Ihre Rede beginnen und abschließen. Alles ist klar gegliedert und dramaturgisch ausgefeilt. Weil Sie sich weder am Stichwortzettel, noch am Manuskript festhalten müssen, sind Ihre Hände frei für Wichtigeres: Ihre Gestik unterstreicht das Gesagte, Sie können sich uneingeschränkt auf der Bühne bewegen und Requisiten und Medien nutzen.

Achten Sie bei Ihrer vorbereiteten freien Rede unbedingt darauf, dass sie nicht auswendig gelernt oder abgelesen klingt. Bereiten Sie sie so vor, dass Sie sich während Ihrer Rede vollkommen sicher fühlen. Formulieren Sie schlüssig, stichhaltig und spannend – die meiste Wirkung erzielen Sie bereits durch den Inhalt Ihrer Rede.

Wie Sie hierbei konkret vorgehen sollten, um authentisch und überzeugend zu wirken, hängt hauptsächlich von Ihrer konkreten Redesituation und Ihrem Redethema ab. Die richtigen individuellen Ratschläge kann Ihnen am besten ein praxiserfahrener Rednerberater oder Redenschreiber geben.

Rhetorikmagazin
© Christian Bargenda


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