Sich gewählt ausdrücken: So geht es, so wirkt es

Haben Sie die Wahl in Sachen Sprache und Kommunikation? Anders gefragt: Verfügen Sie über eine gewählte Ausdrucksweise? Wenn ja, dann heißt das, – wörtlich genommen – Sie können zwischen mehreren verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten wählen.

Legitim wäre zwar der Standpunkt: „Ich kann mich verständlich machen, das genügt mir“, aber …

… mit dieser Einstellung weiß ich als Sprechender nicht, was ich sagen würde, wenn ich eine größere sprachliche Auswahl hätte. Dazu kommt:

Je differenzierter ich mich ausdrücken kann, desto zielgenauer, schneller und nachhaltiger kann ich bei meinem Gegenüber bzw. bei meinem Publikum die gewünschte Wirkung erreichen.

Umgekehrt kann ich mit einem mangelhaften Sprachschatz bei meinem Ansprechpartner Verwunderung auslösen oder einen inkompetenten Eindruck hinterlassen. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Unternehmen stellt Oberflächen her, die mit Hilfe von Spalten und Klüften auf molekularer Ebene spezielle Wirkungen auf andere Substanzen erzielen. Die Produkte des Unternehmens sollen mit Hilfe einer externen Beratungsfirma vermarktet werden. Deren zuständiger Berater fragt mich über das Produkt seines Kunden: „Was Spalten sind, weiß ich, aber was sind Klüften?“. Würde er – das ist Grundschulwissen – den dritten Fall Mehrzahl des Wortes „Kluft“ kennen, hätte seine Frage gelautet „… was sind Klüfte?“. Aber selbst das Wort „Kluft“ scheint ihm nicht bekannt zu sein. Zum Glück für die Beratungsfirma fragte er mich und nicht seinen Unternehmenskunden.

Versetzen Sie sich in die Situation des Geschäftsführers der Herstellerfirma. Welchen Eindruck würde ein Berater auf Sie machen, wenn er Ihnen gegenüber eine solch ausgeprägte sprachliche Hilflosigkeit an den Tag legen würde? Würden Sie sich kompetent beraten fühlen und sich auf Ihren externen „Experten“ bzw. seine Beratungsfirma verlassen wollen?

Sprachliche Schwächen schrecken Kunden ab, sprachliches Geschick zieht sie an und bindet sie.

Ich kenne Firmen, die ihre Berater bzw. ihre Dienstleister gewechselt haben, weil sie sich nicht kompetent beraten gefühlt haben. Sie haben sich deshalb nicht kompetent beraten gefühlt, weil ihre Ansprechpartner sprachlich mangelhaft präsentiert haben. Manche Kunden nehmen eine schlechte Sprache oder z. B. eine falsche Wortwahl nur unbewusst wahr, aber sie nehmen sie wahr und fühlen sich unwohl mit ihrem Gegenüber. Die Mehrzahl der Kunden bemerkt sprachliche Schwächen jedoch sofort und etikettiert ihre Ansprechpartner entsprechend.

Verbessern Sie Ihre Ausdrucksweise und schaffen Sie sich sprachliche Auswahlmöglichkeiten. Denn wenn Sie sich gewählt und richtig ausdrücken können, kommen Sie schneller und besser an Ihr Ziel – in Verhandlungen, in persönlichen Gesprächen, vor Publikum, in Ihrer Karriere.

Wie Sie sich einfach und effektiv sprachlich verbessern können? Lesen Sie Bücher, auch Klassiker wie z. B. Leo Tolstoi und E. T. A. Hoffmann. Oder moderner: Siegfried Lenz und Norman Mailer. Oder aktueller: John von Düffel und Arno Geiger. Hören Sie auch Hörbücher und gehen Sie ins Theater. So bekommen Sie immer mehr Gefühl für die Möglichkeiten der Sprache und können sie in Ihre eigene Kommunikation einfließen lassen. Ihr Sprachschatz und Ihre Versiertheit nehmen zu, Sie verfügen tatsächlich über eine „gewählte Ausdrucksweise“ – Sie haben die Wahl.

Rhetorikmagazin
© Christian Bargenda, rhetorikmagazin.de


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