Polizei und NSA beim Rednertreffen in München: Eine Branche feiert sich und übt Respekt

Gaby S. Gaupner eröffnet die GSA-Convention 2013 und greift bei Ihrer Rede wirkungsvoll auf die klassische Rhetorik zurück.

Gleich vorweg: Die Abkürzung NSA steht nicht nur für den heftig kritisierten Abhördienst der USA, sondern auch für die National Speakers Association, die US-amerikanische Schwesterorganisation der German Speakers Association (GSA), einem renommierten Verein für berufsmäßige Redner und Trainer. Am 6. und 7. September 2013 findet das internationale Treffen der GSA in München statt, die GSA-Convention. Und spätestens seit der Eröffnungsrede wissen die Teilnehmer: Die Mitglieder der NSA, die bei der Tagung zu Gast sind, sind keine Schnüffler, sondern Redner. Dieses Mal geht es bei jährlichen Treffen um „Die Macht der Worte – Worte schaffen Werte“.

Die GSA hat rund 800 Mitglieder, von denen manche besonders stark wahrgenommen werden. Gaby S. Graupner, scheidende Präsidentin der GSA, nennt sie in ihrer Eröffnungsrede die „lauten“ Redner. Erfreulich, dass sie ausdrücklich darauf eingeht, dass es beim Reden nicht auf mediale Lautstärke ankommt. Denn manchmal kann laut auch penetrant wirken.

Qualität ist gefragt, und neben manchen erfolgreichen lauten Persönlichkeiten gibt es auch viele erfolgreiche ruhigere Redner.

René Borbonus mit seinem Plädoyer für die von manchem vergessene Tugend Respekt

Dass beide Arten von Rednerpersönlichkeiten in der GSA gut nebeneinander existieren können, belegen die beiden folgenden Redner. Sabine Asgodom – Managementtrainerin und eher von der lautereren Fraktion – plädiert für eine werteorientierte Selbstvermarktung. Eine Flut von Titeln, die manche Redner sammeln würden, entwerte diese Titel, und so viele Bücher wie möglich zu schreiben oder schreiben zu lassen, sei auch kein Qualitätsbeweis. René Borbonus – Kommunikationsexperte und ein eher ruhigerer Redner – hat „Respekt“ zu seinem Thema gemacht. Er meint, Facebook verleite Redner zur Exzentrik, und gute Redner seien über lange Zeit gereift. Als Beispiel nennt er seinen Kollegen Hans-Uwe Köhler, ebenfalls GSA-Mitglied und ein Meister des rhetorischen Fachs.

Dass das Rednergeschäft vielfältig ist, zeigt der Workshop eines Polizeibeamten.

Vernehmungsexperte Roland Buß, Spezialgebiet schwerer Raub, schildert seine Erfahrung aus Verhörsituationen und zieht Parallelen zu Gesprächssituationen im Unternehmensalltag. So stünden Verbrecher in einem Verhör unter einem enormem Stress, welcher wiederum sehr aufmerksam für Details mache. Mitarbeitergespräche könnten laut Buß ähnlich stressreich sein, so dass ein heruntergezogener Mundwinkel oder andere Kleinigkeiten große kontraproduktive Wirkungen haben könnten. Gedankenwelt, Sprachgebrauch und Handlung sollten immer stimmig sein.

Lernen von der Polizei: Der Kriminalbeamte und Redner Roland Buß schildert seine Erfahrung aus Verhörsituationen und zeigt, was Führungskräfte daraus lernen können.

Buß meint, Respekt, Vertrauen und Menschlichkeit seien die wesentlichen Faktoren in Gesprächen. Hier spielten auch Details eine Rolle, wie z. B. einem Verbrecher nicht nur etwas zu essen zu geben, sondern auch den für 12 Uhr versprochenen Döner nicht um 11.45 Uhr oder 12.15 Uhr zu bringen, sondern pünktlich. Mit derartigen Kleinigkeiten würden Vertrauen und damit Kooperationsbereitschaft hergestellt.

Interessant ist die Analyse eines Serienstraftäters, der in einem Brief beschreibt, warum er bei Ermittlerteam A blockt und mit Ermittlerteam B kooperiert: „Ich hatte schnell den Eindruck, dass … wenn die beiden mir etwas zusagten oder auch verwehrten, es auch von Bestand ist. Ob nun in Bezug auf Kleinigkeiten oder auch bei für mich wichtigen Dingen. Sie taten, was sie sagten. Sie hielten Wort, und daher gab es auch für mich nichts, was dagegen sprach, mich daran zu halten, alles zu sagen.“

Sowohl in Verhörsituationen, als auch z. B. in schwierigen Gesprächssituationen gelte es, Eisbrechermomente zu schaffen und hinter die Maske des anderen zu schauen. Denn so, meint Buß, gelinge Kommunikation.

Rhetorikmagazin
© Christian Bargenda, rhetorikmagazin.de


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