Duden will mit „Shitstorm“ frischen Wind erzeugen: Ungewollte Nebenwirkungen durch Sprache

Für seine 26. Auflage vom Juli 2013 erntet der Duden manch hämischen Kommentar, denn statt ein sprachliches Vorbild zu sein, hat er sich als Chronik sprachlicher Moden etabliert.

Mit letzteren sollten Sie bei Ihren Reden und Präsentationen jedoch vorsichtig sein, denn gerade Modewörter können missverstanden werden oder lächerlich erscheinen.

Wenn Sie bei Ihren Zuhörern ankommen wollen und Ihre Botschaft wirken soll, setzen am besten auf klassisches, verständliches Deutsch.

Ob offene Hose oder neuester Sprachtrend: Das, womit Sie Ihr Publikum besonders irritieren, bleibt am stärksten hängen: Oft erinnern sich Zuhörer auch nach Monaten genau an den riesigen Schweißfleck des Redners, wissen aber nichts mehr über den Redeinhalt, das zeigt die Erfahrung. Mit einigen der Wortkreationen, die die Dudenredaktion in ihre neue Auflage aufgenommen hat, können Sie zulasten Ihres Redeziels genau diese unerwünschten Irritationen provozieren.

Schwer nachvollziehbar für viele Zuhörer: Die grammatikalische Geschlechtsumwandlung eines rechtlichen Organs, das gar kein biologisches Geschlecht hat

Was mag an dem Wort „Vorständin“ schlecht sein? Oberflächlich betrachtet könnte der Begriff sinnvoll erscheinen, schließlich gibt es auch Frauen in Vorständen. Wahrscheinlich wissen aber manche Ihrer Zuhörer: Ein Vorstand ist keine Person, weder Frau noch Mann. Vielmehr ist ein Vorstand das Leitungsorgan eines Unternehmens, genauso wie eine (grammatikalisch weibliche) Geschäftsleitung oder ein (grammatikalisch männlicher) Führungsstab (biologisch geschlechtsneutrale) Leitungsorgane sind. Und die Menschen, die einen Vorstand bilden, sind nicht etwa Vorstände, sondern Vorstandsmitglieder – egal ob männlich oder weiblich.

Trotzdem hat die „Vorständin“ Einzug in den Duden gefunden, gemeinsam mit zahlreichen denglischen Kreationen wie „Digital Natives“, „Shitstorm“ und „Social Media“. Zugleich lässt der Duden deutsche Wörter wie z. B. den Stickhusten aussterben. Sprachschützer kritisieren, dass unsere Sprache durch diese Verdrängung verarmt. So befindet sich der Duden beim Verein deutsche Sprache (VDS e. V.) in der engeren Wahl zum „Sprachpanscher des Jahres 2013“.

Kritiker bemängeln außerdem, dass der Duden mit seiner Politik nicht sprachbildend oder als Vorbild wirke, sondern lediglich Moden hinterherhechle, die in der Sprache „passieren“. Durch seine Bekanntheit verleihe der Duden diesen sprachlichen Missgriffen den Anschein des Offiziellen.

Auf seiner Website schreibt der Duden: „Seit über 130 Jahren ist Duden die maßgebliche Instanz für alle Fragen zur deutschen Sprache und Rechtschreibung.“

Offiziell ist er jedoch schon seit 1996 nicht mehr für die amtliche deutsche Rechtschreibung maßgeblich – damals wurde dem Duden mit der Rechtschreibreform der Sonderstatus entzogen (Quelle: Wikipedia).

Warum gutes Deutsch für Ihre Reden und Präsentationen essenziell ist

Über Denglisch lässt sich streiten, Anglizismen und andere Sprachtrends sind Geschmackssache. Einige mögen sie, anderen sind sie zuwider, manche nutzen sie unbewusst, nicht wenige kennen die genaue Bedeutung dieser „neuen Wörter“ nicht. Und schon öfter haben sich Politiker, aber auch ganze Unternehmen, alleine durch ihr Denglisch in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht.

Begeben Sie sich bei Ihren Reden und Präsentationen besser nicht auf dieses Glatteis. Wählen Sie eher klassische Begriffe, die allgemeinverständlich und nicht irritierend sind. So laufen Sie nicht Gefahr, von Ihren Redeinhalten abzulenken. Und: Bereits ein einziges nicht oder nicht richtig verstandenes Wort kann dazu führen, dass ein wesentlicher Teil Ihrer Zuhörer auf der Strecke bleibt oder Ihre Rede die gewünsche Wirkung verfehlt.

Tipp: Falls Sie bei Ihrer Rede- oder Präsentationsvorbereitung den Duden konsultieren, lassen Sie am besten auch Ihren gesunden Menschenverstand und Ihr persönliches Sprachgefühl walten. Rechnen Sie damit, dass es immer jemanden in Ihrem Publikum geben kann, der Sprachmoden (ob deutsch oder denglisch) nicht versteht oder mag. Auch Sprachmoden gehen vorüber, und wenn Ihre Redebotschaft von Bestand sein soll, gehen Sie mit verständlichem Deutsch auf Nummer Sicher.

Rhetorikmagazin
© Christian Bargenda, rhetorikmagazin.de


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