Klassische Begrüßungsreden: Mit dieser Rhetorik begeistern Sie hochkarätiges Publikum

Bei Begrüßungsreden scheint es nur zwei Möglichkeiten zu geben: Die einen Zuhörer langweilen sich, wenn jede „wichtige“ anwesende Person einzeln genannt und begrüßt wird, die anderen kommen nur deshalb, um ihren Namen zu hören. Was dabei vergessen wird: Auch eine Begrüßungsrede ist eine Rede, mit der Sie Ihr Publikum begeistern können.

Ein gelungenes Beispiel konnten die geladenen Gäste in der Münchner Residenz Ende Mai 2011 bei der Begrüßungsrede zu einem offiziellen Amtsantritt erleben. Der Begrüßungsredner begann seine Rede nicht etwa mit einer Namenslitanei, sondern er begrüßte die Zuhörer schlicht mit „Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter …“ – hier folgte nur der Name der Hauptperson des Tages.

Die anwesenden Politiker und Personen des öffentlichen Lebens waren sichtlich irritiert. Denn sie rechneten nicht nur mit dem Herunterbeten der Namen und Titel der Honoratioren, sie dachten zu diesem Zeitpunkt auch, der Redner würde das Protokoll verletzen.

Diese Irritation steigerte die Aufmerksamkeit der Zuhörer enorm – die perfekte Einstimmung auf die spannende Geschichte, die der Redner erzählte. Er hatte gut recherchiert und daraufhin einen Handlungsstrang mit verschiedenen Anekdoten gebildet. Eingebettet in diese Geschichte wurden – an der jeweils dazugehörigen Stelle – die wichtigen Personen begrüßt. Das Protokoll war erfüllt.

Ein weiterer geschickter rhetorischer Kunstgriff: Der Redner band die Namen nicht nur einzeln, sondern zum Teil auch in Gruppen in seine Geschichte ein. Entsprechend wurde entweder einzeln oder nur gruppenweise applaudiert. Das langwierige Klatschen nach jedem einzelnen Namen „unwichtigerer“ Personen blieb damit aus.

Worüber der Redner sich besonders gefreut hat, war nicht nur die hohe Aufmerksamkeit des Publikums. Auch der Minister, der anschließend sprach, lobte das Vorgehen des Redners. Er sagte gleich zu Beginn seiner Rede, dass die Vorrede ein gelungenes Beispiel dafür sei, dass Begrüßungsreden nicht langweilig sein müssen.

Das Fazit: Gerade zu Beginn einer Veranstaltung oder einer Rede ist das Publikum besonders aufmerksam. Ein ungewöhnlicher Einstieg steigert dies. In diesem Moment zur Begrüßung nur Namenslisten vorzulesen, wäre ein sträflicher rhetorischer Fehler. Mit der entsprechenden Idee und etwas rhetorischem Geschick hingegen können Sie die Situation mit Bravour lösen und bleiben bei Ihrem Publikum positiv in Erinnerung.

Rhetorikmagazin
© Christian Bargenda, rhetorikmagazin.de


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Christian Bargenda
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Dies ist ein Beitrag von Christian Bargenda, Chefredakteur des Rhetorikmagazins. Christian Bargenda ist Experte für Führungsrhetorik und arbeitet als Rhetorikberater und Redenschreiber. Er berät Führungskräfte der obersten Ebene, die ihre Wirkung und Überzeugungskraft als Redner optimieren und Menschen für ihre Ziele gewinnen wollen. Zu seinen Kunden zählen deutsche und internationale Unternehmen, darunter DAX30- und Dow-Jones-Global-Titans-50-Konzerne, sowie bekannte Persönlichkeiten. Sie finden Christian Bargenda auch auf Twitter, auf Google+ und auf seinen eigenen Internetseiten.