Die Sprache der Musik in Unternehmen: Interview mit dem 5-Sterne-Redner Richard de Hoop

Richard de Hoop ist professioneller Redner und als „Glückscoach“ aus dem Fernsehen bekannt. Mit der Sprache der Musik und einem speziellen Rollenkonzept bringt er Menschen dazu, besser zusammenzuarbeiten. Er hilft Unternehmen, ihre Effizienz und Effektivität zu verbessern und die Harmonie unter den Mitarbeitern zu steigern.

Herr de Hoop, Sie vergleichen Menschen mit Musikinstrumenten und Kollegen mit Musiknoten. Warum haben Sie dieses Bild gewählt?

Musik war schon immer sehr wichtig für mich. Mein erster Berufswunsch als kleiner Junge war übrigens Rockstar! Zu Hause in den Niederlanden war ich lange Zeit Inhaber eines Trainingsunternehmens mit 15 Trainern. Wie wichtig harmonische Abläufe und koordiniertes Zusammenwirken in Unternehmen für den Erfolg sind, war mir schon immer klar. Als zertifizierter Belbin-Team-Role-Trainer suchte ich nach einer Metapher, die diese Harmonie und das Zusammenspiel am besten transportiert. Und fand sie idealerweise in der Musik. Heute arbeite ich mit acht Instrumenten, denen ich verschiedene Charaktereigenschaften zuweise, die dann die Bandbreite und die Vielfalt der jeweiligen Menschen darstellen. Und zwar: Harfe, Geige, Horn, Bass, Trompete, Klavier, Gitarre und Trommel. Mit meinem Orchestertest können Sie herausfinden, welchem Instrument Sie am meisten entsprechen.

Welche Vorteile hat die Sprache der Musik gegenüber der Sprache der Worte?

Für mich sehr viele. Musik ist international. Sie öffnet die Herzen, Menschen verstehen einander, auch ohne dass sie ein Wort der Sprache des anderen beherrschen. Schon an den Gesten und der Art, wie jemand auftritt, kann nach meinem Modell sehr gut eingeschätzt werden, ob wir es mit einer Trommel oder einer Geige zu tun haben. So können auch internationale Teams erkennen, wer charakterlich wer ist, sich gut ergänzt, und so wunderbar zusammenspielen.

Und wo sind die Grenzen?

Die Musik und mein Rollenmodell der Instrumente basierend auf Dr. Belbin gibt den Menschen im Team eine klare Anleitung, wer da noch mit in der Gruppe ist, das heißt, wie tickt dieser Mensch. Um dann wirklich effizient und erfolgreich arbeiten zu können, müssen diese Teams jedoch natürlich gemeinsame Ziele setzen, teilen und eine gemeinsame Sprache wählen, um inhaltlich und fachlich perfekt zu kommunizieren.

Sie sprechen von effektiver und harmonischer Teamarbeit. Was bedeutet das für Sie?

Richard de Hoop auf großer Bühne der German Speakers Association

Effektiv bedeutet für mich vor allem, dass genau derjenige im Team eine Aufgabe erledigt, für die er oder sie am besten geeignet ist. Sehr oft ist das nicht der Fall und Talente liegen brach, was sehr schade ist für die Teams und die Unternehmen. Ein Beispiel: Nach meinem Modell der acht Instrumente ist ganz klar, dass Trommeln die geborenen Anführer sind, die das Team mitreißen und anfeuern. Bässe schaffen die Grundlagen, die Rahmenbedingungen, ohne ihre unermüdliche Arbeit wären keine Resultate möglich. Wenn wir nun den Bass anfeuern lassen und die Trommel die Statistik machen, sind beide fehlbesetzt und werden alles andere als effektiv arbeiten. Und Harmonie ergibt sich automatisch aus der Effektivität. Da jeder das macht, wofür er oder sie am besten geeignet ist, gibt es keinen Frust und keine Unlust, sondern nur Teammitglieder, die sich optimal ergänzen und dadurch in Harmonie exzellente Resultate erzielen. Wir brauchen auf jedem Gebiet Virtuosen, die den heutigen großen Herausforderungen standhalten können.

Welche Musikinstrumente sollten besser nicht gemeinsam spielen?

Es gibt zwar Instrumentenkombinationen, die sich noch idealer ergänzen und unterstützen als andere, allerdings gibt es keine Kombinationen, die nicht miteinander spielen sollten. Es können immer alle miteinander spielen, wichtig ist hier, dass die Teammitglieder einander zuhören, aufeinander eingehen und sich abstimmen. Dann kann jeder miteinander harmonische und erfolgreiche Musik erzeugen.

Gibt es einen Dirigenten im „Unternehmensorchester“?

Das Buch zum Thema: Macht Musik! So spielt Ihr Team zusammen, statt nur Lärm zu produzieren.

Ja, selbstverständlich. Die Dirigenten sind die Führungskräfte oder Teamleiter. Der Dirigent hat eine äußerst wichtige Rolle. Er muss die Teams so zusammenstellen, dass Harmonie und Effizienz gegeben sind. Er ist ja auch derjenige, der in einem Orchester dem Publikum den Rücken zuwendet, um sich ganz auf die Teammitglieder, also das Orchester, zu konzentrieren. Das bedeutet nicht, dass im beruflichen Alltag nun die Führungskräfte gar nicht mehr nach draußen sehen sollen, aber eine immerwährende Konzentration auf die internen Abläufe ist erforderlich. Und die wichtigste Aufgabe eines Dirigenten ist es sowieso, die Augen seiner Orchestermitglieder zum Strahlen zu bringen, weil sie das, was sie tun, eben so gerne machen. Und wenn der Dirigent das erreicht, hat er sein Team oder Orchester genau richtig zusammengesetzt!

Was machen Sie mit völlig unmusikalischen Menschen?

Die gibt es nicht! Es gibt nur Menschen, die demotiviert sind oder enttäuscht wurden. Sie denken dann in Problemen, anstatt in Lösungen. Diese Menschen fühlen sich oft ausgeschlossen und alleine. Wir müssen mit diesen Menschen reden und sie im wahrsten Sinne des Wortes umstimmen und integrieren. Jeder kann im Unternehmensorchester seinen ihm zustehenden, passenden Platz finden.

Wie funktioniert Ihr Konzept in verschiedenen Ländern? Nehmen Menschen unterschiedlicher Herkunft die Instrumente unterschiedlich wahr?

Weil es sich hier um das Konzept der Teamrollen von Dr. Meredith Belbin handelt, funktioniert das System auch international sehr gut. Ich habe mit über 50 Nationalitäten ohne Probleme gearbeitet. Und meine Belbin-Kollegen nutzen bei den Vereinten Nationen ebenfalls sehr erfolgreich diese Rollenmodelle. Denn es handelt sich nicht um funktionale Rollen, die sehr unterschiedlich wahrgenommen werden, sondern um Charakterrollen, und die sind universell.

Sie sind Mitglied der German Speakers Association. Sehen Sie sich eher als Redner, oder eher als Musiker bzw. Entertainer?

Richard de Hoop bei seinem Auftritt bei der GSA-Convention 2011 in München, dem internationalen Treffen der German Speakers Association

Ich bin Mitglied der Professional Speakers Association aus Holland! Aber nehme natürlich immer gerne an den Veranstaltungen der GSA teil. Im vorigen Jahr hatte ich auch die große Freude, auf der GSA-Convention vor großem Publikum aufzutreten. Ich bin ein Redner und Entert®ainer, der auch singend und mit Musik seine Botschaft seinem Publikum nahebringt. Für mich ist Singen so etwas wie melodisches Reden!

Welches Musikinstrument entspricht Ihnen selbst?

Ich bin eine sehr ausgeprägte Trompete – also enthusiastisch und entdeckungsfreudig – dann Trommel – Ziele setzen, anfeuern. Und als letztes Instrument gehört die Gitarre – innovativ, ideenreich – zu mir.

Wenn man Ihre Zuhörer betrachtet, sind sie durchwegs begeistert. Was raten Sie einem Redner, der sein Publikum begeistern will?

Das Publikum abholen, profunde Inhalte verbunden mit guter Unterhaltung, und vor allem „give it all you’ve got und practise what you preach!“. (Anmerkung der Redaktion: „Gib alles, was Du hast, und tu auch selbst, was Du propagierst.“)

Was nimmt Ihr Publikum von Ihren Auftritten mit?

Wie verhalte ich mich in einem Team und wie kann ich mich besser abstimmen auf die anderen Instrumente bzw. Teammitglieder. Wie kann ich meine Talente weiterentwickeln, also den Weg vom „normalen“ Musikanten zum wahren Virtuosen. Wie kann ich mein Team effektiver und erfolgreicher zusammen arbeiten lassen und es optimal führen. Und ganz wichtig: Meine Zuhörer verstehen, wie wichtig es für den ultimativen Erfolg ist, ihre Stärken zu stärken. So gerüstet können wir zusammen den positiven und harmonischen Weg ins berufliche wie private Glück gehen.


Der Motivationstrainer Richard de Hoop ist als „Glückscoach“ von ProSieben bekannt und arbeitet in seiner Heimat, den Niederlanden, seit 1995 als Keynote-Redner. Seine Themen: Teambildung, Motivation und Führung. Er gibt jedes Jahr mehr als 100 mitreißende Auftritte in Holland und Europa. Mit der Metapher Musik bringt er die Begeisterung für harmonische und effiziente Zusammenarbeit und erfolgreiche Teambildung in Unternehmen.

Richard de Hoop ordnet Charaktere von Menschen verschiedenen Musikinstrumenten zu. Je mehr verschiedene „Instrumente“ in einem Team vertreten sind, desto vielfältiger kann dieses agieren. Richard de Hoops Botschaft ist, dass nur das harmonische Zusammenspiel aller Teammitglieder – das Orchester – unter Leitung einer motivierten Führungspersönlichkeit – des Dirigenten – nachhaltigen Unternehmenserfolg bringt.


© Christian Bargenda, Rhetorikmagazin
© Fotos (Portraits): Richard de Hoop, Fotos (Bühne): Rhetorikmagazin


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