Garantierte Spannung für Ihre Reden und Präsentationen: Ein Beitrag von Michael Moesslang

Michael Moesslang - präsentieren wie Hitchcock

Einem Film können wir stundenlang aufmerksam lauschen, manch Rede langweilt nach den ersten Sätzen. Doch es sind nicht nur die Bilder. Denn auch Vorträge, Hörbücher oder Radio können uns fesseln. Und es ist nur ein Unterschied, der eine spannende Rede von all den langweiligen abhebt. Ein Unterschied, der durch viele Wege erreicht werden kann. Und dieser eine entscheidende Unterschied ist Emotion. Wer es nicht schafft, Emotionen zu transportieren, wird seine Zuhörer kaum aufmerksam halten. Emotion ist der Unterschied, der zählt.

Doch die Frage, wie Emotionen erzeugt und transportiert werden können, ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Zum einen gibt es viele Methoden, Emotionen zu erzeugen, wie

  • Betroffenheit
  • Humor
  • Angst
  • Scham
  • Empathie und Mitgefühl
  • Sicht- und spürbare Begeisterung
  • Überraschung
  • Neugierde
  • Spannung

Dass ich dabei positive, negative und neutrale Beispiele gemischt habe, ist Absicht. Denn die Mischung macht’s auch in der Rede. Es gibt beeindruckend lustige Reden, die über den Humor Scham, Betroffenheit, Begeisterung und – ein wichtiges Element bei Humor: – Überraschung erzeugen. Überraschung ist übrigens ebenso neutral wie Neugierde und Spannung, denn eine Überraschung kann freudig oder schockierend sein.

„In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst.“, dieser häufig zitierte Ausspruch von Augustinus (Philosoph, 354–430), sagt auf einfache Weise, dass Emotionen nicht beim Zuhörer erzeugt werden können, wenn sie nicht der Redner selbst spürt. Wenn ich im Moment der Rede selbst nicht begeistert bin, wie soll mein Publikum begeistert werden? Doch das ist gar nicht so einfach. Nicht nur „trockene Themen“, vor allem Lampenfieber und Aufregung verhindern bei vielen Rednern, Begeisterung zu spüren und zu vermitteln.

Trockene Themen

Sie sind Ingenieur und präsentieren einen Projektstatus? Inhalte wie Zeitplanung, technische Problemstellungen oder Kommunikationsprobleme im Team können es wahrlich schwer machen, sich selbst fürs Thema zu begeistern.

Fragen Sie sich, was Sie an dem Thema oder Projekt motiviert und begeistert. Ist es die technische Herausforderung, der Moment, in dem Sie den Abschluss feiern oder die Anerkennung, die Sie für Ihre und die Leistung Ihres Teams bekommen?

Und wenn es der kleinste Aspekt ist, der in Ihnen Bilder und Emotionen erzeugt – fühlen Sie ihn. Denn wenn Sie selbst nichts spüren, wird es schwer für Ihr Team.

Das, was Sie selbst spüren, kommt noch längst nicht beim Gegenüber an. Nur über eine lebendige Körpersprache, lebendige Stimme und Sprechweise oder eine entsprechende Wortwahl (Bildersprache, Humor etc.) werden Ihre Emotionen auf Ihre Zuhörer übertragen. Je nach Persönlichkeit fällt das manchen ganz leicht, andere sollten hier hart an sich arbeiten und dies trainieren. Denn schließlich ist die Kunst andere zu überzeugen, zu begeistern und für sich zu gewinnen die Schlüsselkompetenz für jeglichen beruflichen Erfolg. Und auch im Privaten kommt weiter, wer Emotionen bewusst einsetzen kann.

Emotionsverhinderer

Wer unter Nervosität oder Lampenfieber leidet und dies während eines Vortrages spürt, wird kaum gleichzeitig die wichtigen Emotionen spüren, die er benötigt, um sein Publikum zu erreichen. Die Aussage vieler, dass sie Lampenfieber bräuchten, um gute Leistung zu bringen, mag ein guter Ansatz sein, sich mit seinem Lampenfieber zu arrangieren. Doch nur wer während der Rede die richtigen Emotionen spürt – ohne, dass diese von Nervosität überlagert sind – kann sein Thema emotional rüberbringen.

Mit mentalen Techniken wie Ankern oder Dissoziieren (die NLPler unter den Lesern kennen diese Techniken), konnte ich vielen Teilnehmern meiner Seminare weit mehr helfen, als dies die – ebenfalls wichtigen Atemtechniken – alleine schaffen. Lampenfieber kann jeder in Griff bekommen, es gibt viele wirkungsvolle Methoden.

Spannung à la Hitchcock

Der berühmte Regisseur Sir Alfred Hitchcock (1899–1980) hat einmal Suspense so beschrieben: „Wenn eine versteckte Bombe unter einem Tisch, an dem mehrere Leute frühstücken, plötzlich explodiert, ist dies ein Schreck und unterhält 20 Sekunden lang; wenn der Zuschauer die Lunte jedoch lange brennen sieht und die Figuren nichts davon ahnen, ist dies Suspense und fesselt fünf oder zehn Minuten lang.“

Suspense ist die Königsdisziplin um Spannung zu erzeugen. Suspense lebt davon, dass das Publikum nicht nur beobachtet, sondern mitfiebert und vorausdenkt. Dazu muss es Dinge erahnen und die spätere Lösung aus mehreren Informationshappen konstruieren können.

Mit der Auflösung wird der Zuschauer oder -hörer dann entweder in seiner Annahme bestätigt – was ihn freut – oder mit einer anderen Lösung überrascht. Diese muss für ihn jedoch ebenso logisch sein, sonst ist er enttäuscht. Das heißt, er wird dann die Infomationshappen so zusammensetzen, dass sie die überraschende Lösung ebenfalls stimmig erscheinen lassen. Was in fast allen guten Filmen erfolgreich funktioniert, ist auch das beste Rezept, eine Rede spannend – und damit emotional – zu gestalten.

In Präsentationen erlebt man oft genau das Gegenteil: Das Highlight wird oft schon auf der Titelseite vorweg genommen. Wie in einer Facharbeit ist der Rest nur noch die Auflistung aller Fakten, die dieses Highlight rechtfertigen. Langweilig!

Die Gier zu entdecken

„Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“ schrieb Albert Einstein über sich und machte damit Neugierde als größte Motivation für seine Erfolge verantwortlich. Neugierde ist sicher einer der größten Triebe – oder wie es der Journalist Hannes Stein über Goethe schrieb: „Seine größte Tugend war seine Neugier.“ Haben wir doch als Kind oft das Gegenteil gehört: „Sei nicht so neugierig!“ Was dann wieder ausgelöst hat, es erst recht wissen zu wollen. Neugierde zu erzeugen, ist ein einfacher Schlüssel zur Spannung.

Wenn Sie ein Schaufenster zukleben und nur ein kleines Loch freilassen, wird ein großer Teil genau da hindurchblicken, der am offenen Schaufenster desinteressiert vorübergegangen wäre.

Ein simpler Einstiegssatz in eine Rede wie: „Was dieser Kugelschreiber mit Ihrem nächsten Urlaub zu tun hat“ wird sofort die Phantasie des Publikums anregen. Einfach – und doch geht es noch subtiler und emotionaler, wenn Sie Neugierde langsam aufbauen, indem Sie die Zuhörer in eine Geschichte hineinziehen. Denn jede Geschichte erzeugt Bilder und jedes Bild erzeugt Emotionen.

Bilder und Phantasie

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ und „Visualisierung unterstützt das gesprochene Wort“ führten dazu, dass mit PowerPoint & Co. täglich Folienschlachten gekämpft werden. Dabei wurde bereits 1990 in einer Untersuchung mit dem bezeichnenden Namen „Death by PowerPoint“ belegt, dass Text-Charts das Gegenteil bewirken. Lesen und Zuhören funktionieren nicht gleichzeitig. Also Fotos zeigen? Was zeigen Sie, wenn es um Beratungsleistung geht? Ein Gespräch zweier Herren im Anzug? Genial, oder? – Naja … Sie nehmen so dem Zuhörer die Chance, Phantasie zu entwickeln und in das Bild selbst einzusteigen.

Wenn jemand sagt: „Denken Sie nicht an einen rosaroten Elefanten“ – haben Sie trotzdem ein inneres Bild eines rosaroten Elefanten. Der Effekt ist nämlich ganz einfach: Sobald uns jemand ein Bild verbal vorgibt, entsteht es unweigerlich, sogar wenn er uns bittet, es nicht zu tun. Allerdings – und das ist der Vorteil des inneren Bildes gegenüber dem gezeigten Foto – genau das Bild, das in die Welt des Zuhörers passt. Bei der Beratungsleistung kann sich der Zuhörer also selbst als einer der beiden einsetzen. Es ist auch der Zuhörer, der entscheidet, ob der rosarote Elefant über die Steppe galoppiert, im Zoo steht oder als Comic-Figur Dumbo zum Erröten bringt.

Diese Freiheit der Phantasie und Vorstellungskraft hat den Vorteil, dass das Bild zum Zuhörer passt und ihm nicht aufoktroyiert wird. Er verknüpft also das Gehörte mit in seinem Gehirn bereits gespeicherten Erfahrungen.

So funktioniert auch Lernen am leichtesten. Und so entstehen Emotionen am leichtesten. Denn die Erfahrungen sind höchstwahrscheinlich bereits mit Emotionen verknüpft.

Merkprozesse

Wir wissen aus der Gedächtnisforschung, dass es relativ schwer ist, sich Worte zu merken, aber recht einfach mit Bildern und Emotionen funktioniert. Regen Sie also Ihr Publikum durch Ihre Worte dazu an, Bilder und Emotionen zu erzeugen, wird mehr hängen bleiben, als durch Zahlen, Daten und Fakten (die nicht fehlen dürfen, die Sie aber ebenfalls bildhaft verpacken können).

Neben gezeigten Fotos und Illustrationen und angeregten Geschichten, Bildern und Emotionen darf die dritte Methode den Merkprozess unterstützende Bilder zu erzeugen nie fehlen. In Seminarübungen teste ich immer wieder, wie wichtig diese ist. Dabei lasse ich Teilnehmer Begriffe nennen, die sie durch eine Geste unterstreichen sollen. Die anderen Teilnehmer sollen die Begriffe anschließend wiedergeben. Das eindeutige Ergebnis ist: Gemerkt wird die Geste, die dann zum Begriff führt. Fehlt die Geste – und trotz Aufforderung machen manche Teilnehmer einfach keine Geste – fällt es den anderen sehr schwer, sich die Begriffe zu merken. Das bedeutet für jeden Redner: je weniger Gestik bzw. Körpereinsatz, desto schwerer fällt es dem Publikum, das Gehörte zu verstehen, verarbeiten und merken. Unterschätzen Sie also nie, wie wichtig ein lebendiger Körpereinsatz ist. Unter Körpereinsatz verstehe ich eine Kombination aus Gestik, Mimik und einer dynamischen Bewegung im Körper. Strecken Sie bei einer Aussage beispielsweise Ihren Arm nach vorne, gehen Sie dabei automatisch einen halben Schritt nach vorne und nehmen dabei Ihren ganzen Körper schwungvoll mit und erzeugen so eine wesentlich ganzheitlichere Bewegung. Setzen Sie Körperspannung ebenso gezielt ein, wie große oder schwungvolle Gesten. Sie verstärken damit die Wirkung deutlich.

Zusammenfassung

Emotionen entstehen also durch Spannung, Neugierde und Geschichten. Eine Geschichte erzeugt Bilder, und Bilder erzeugen wiederum Emotionen. Setzen Sie Bilder ein, indem Sie diese

  • zeigen (wenn diese lustig oder außergewöhnlich sind oder als Erinnerungsanker dienen),
  • in der Phantasie der Zuhörer entstehen lassen (Kopfkino),
  • durch Ihren Körper ganzheitlich und dynamisch ausdrücken.

Emotionen sind der schnellste Weg zum Zuhörer – und der direkte ins Herz. Emotionen sind durch nichts zu ersetzen. Und es gibt so viele Wege, Emotionen zu erzeugen. Nutzen Sie sie, um Ihr Publikum zu überzeugen, begeistern und für sich zu gewinnen. Sie bleiben dadurch in den Köpfen und Herzen Ihrer Zielgruppe.

Autor: Michael Moesslang
© Rhetorikmagazin


Michael Moesslang - präsentieren wie HitchcockMichael Moesslang ist „Der Hitchcock der Präsentation“, 5-Sterne-Redner, Top-100-Excellence-Trainer, Coach, Erfolgsautor und Experte für spannende und überzeugende Präsentationen. Er ist Inhaber des PreSensation Institute in München.

Seine Keynote-Vorträge und Seminare zu den Themen Präsentation, Rhetorik, persönliche Wirkung und Körpersprache motivieren, seine gelebte und stimmige professionelle Authentizität aktiviert. Seine Überzeugung ist, dass jeder einzelne durch die eigene persönliche Wirkung und durch Selbstsicherheit im Auftreten zum positiven Botschafter für sich und sein Unternehmen wird.

Als Experte seines Faches bezieht er aktuelle Erkenntnisse aus der Psychologie und den Verhaltenswissenschaften ein. Michael Moesslang aktivierte als Vortragsredner und Lehrbeauftragter – z. B. St. Galler Business School – bereits Zuhörer in über 1.000 Vorträgen und Präsentationen. Sein Buch „So würde Hitchcock präsentieren: Überzeugen Sie mit dem Meister der Spannung“ führte wochenlang die Bestsellerliste „Präsentation“ bei Amazon an.


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Dieser Beitrag wurde exklusiv für das Rhetorikmagazin verfasst - das rhetorische Fachmagazin mit Analysen, Hintergrundinformationen und Expertentipps für Ihre Reden, Vorträge und Präsentationen. Die Autoren und Interviewpartner des Rhetorikmagazins sind renommierte Spezialisten für Rhetorik, Sprache, Kommunikation, Führung und zahlreiche an die Rhetorik angrenzende Bereiche. Sie haben Fragen oder Anregungen? Kontaktieren Sie gerne die Redaktion. Wir freuen uns über Ihre Nachricht. Sie finden das Rhetorikmagazin auch auf Twitter, Youtube und Google+.